Arbeitsnotizen zur
Druckgrafik
DOMINIQUE MARC WEHRLI
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CH-8105 Regensdorf

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ARBEITSNOTIZEN
Die farbige Reproduktionsgrafik ist ein gestalterisch weitgehend unerforschtes Gebiet. Erst seit kurzer Zeit stehen uns die digitalen Werkzeuge und mathematischen Modelle zur Verfügung um alle Teilbereiche der druckgrafischen Gestaltung frei von technischen Limitationen untersuchen und beeinflussen zu können. Eine jahrhundertealte druckgrafische Tradition bildet zusammen mit digitaler und analoger Fotografie die Grundlage für die intensive Auseinandersetzung mit Druckraster, Farbe und Papier. Damit wird die Darstellung von Farbfotografie erstmals zu einem technisch und künstlerisch vollständig kontrollierbaren Prozess. Das Ziel ist die Synthese von Druckgrafik und Fotografie.

Präzise Bildkompositionen
Mittwoch, 26. 10. 2011
Seit wir digitale Kameras haben, ist das Sofortbild auf der Gerätrückseite zum Normalfall geworden. In geringer Auflösung und mit zum Teil mit erschreckender Farbigkeit - aber immerhin. Erst seit es Smartphones gibt, können wir die Bilddaten auf dem Weg zwischen Sensor und Bildschirm verändern. Das Nokia N9 wird dank freier Programmierbarkeit mit seinem 28 mm weiten Objektiv und einigen Zeilen Programmcode zu einer architekturtauglichen Fachkamera. So bleiben vertikale Linien auch beim Blick nach oben parallel. Dank eingebautem Lagesensor passiert das automatisch, aus der Hand, in Sekundenbruchteilen. Präzision für unterwegs.
Neue Farben
Donnerstag, 20. 10. 2011
Die Farbigkeit eines gedruckten Bildes hängt neben der Wahl der zum Druck verwendeten Farbe genauso stark vom verwendeten Druckraster ab. Mit der computerbasierten Simulation des Druckprozesses ist es möglich geworden, die Standard-Druckfarben (CMYK) durch beliebige Farbkombinationen zu ersetzen. Die Grundlage der Simulation ist die spektral erweiterte Neugebauergleichung (vgl. entsprechende Fachliteratur) kombiniert mit einer Korrekturberechnung zur Berücksichtigung der raster- und papierabhängigen Lichtnebenwege. Die Ergebnisse erlauben die Umrechnung in einen beliebigen Druckfarbraum auf Basis der gemessenen Remissionsspektren der drei Grundfarben. Im Gegensatz zu den in der wissenschaftlichen Literatur weit verbreiteten Modellrechnungen für typische Rasterstrukturen erlaubt die Computersimulation den Einsatz beliebiger Druckraster. Der Nachteil ist der z.T. grosse Rechenaufwand für kompliziertere Rasterstrukturen. Mit einer Programmierung in C statt in Python konnte die Geschwindigkeit gegenüber den ersten Versuchen mittlerweile um den Faktor 500 gesteigert werden.
Der Weg des Bildes
Mittwoch, 19. 10. 2011
Seit den frühen dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts sind Farben mathematisch handhabbar. Mit dem Normbetrachter schuf die CIE 1931 die Grundlage zur digitalen Bildverarbeitung. Das Leitmotiv der druckgrafischen Bildreproduktion ist die mit der Vorlage möglichst identische Farbdarstellung. Während früher zuerst Filmmaterialien digitalisiert worden sind, sind heute die digitalen Farbinformationen bereits nach der Aufnahme verfügbar. Mit weniger Zwischenschritten und weniger materialspezifischen Eigenheiten steigt dadurch die Reinheit der gewonnenen Informationen.
Während bis in die achtziger Jahre viele Zwischenschritte mit Optischen Apparaturen und Farbfiltern gemacht wurden, ist mittlerweile die ganze Verarbeitungskette von der Digitalkamera bis zur Belichtung der Druckplatte digitalisiert worden. Damit können alle Zwischenschritte mit Softwarelösungen abgebildet werden. Die grösste Herausforderung besteht darin, alle Blackbox-Lösungen der Industrie neu zu programmieren, um jenseits von standardisierten Lösungen die komplette Kontrolle über den Verarbeitungsprozess zurückzugewinnen. Wir sind längst weit über die von Moholy-Nagy angesprochene Vereinigung aller Produktionsschritte unter einem Dach hinausgekommen. Wir vereinigen sie heute in einem Gerät, dem PC.
Typophoto, ein Zitat
Mittwoch, 19. 10. 2011
"Das Typofoto regelt das neue Tempo der neuen visuellen Literatur.
In Zukunft wird eine jede Druckerei eine eigene Klischeeanstalt besitzen und es kann mit Sicherheit ausgesprochen werden, dass die Zukunft des typographischen Verfahrens den fotomechanischen Methoden gehört. Die Erfindung der fotografischen Setzmaschine, die Möglichkeit, mit Röntgendurchleuchtung ganze Auflagen zu drucken, die neuen billigen Herstellungstechniken von Klischees usw. zeigen die Richtung, auf die ein jeder heutige Typograf bzw. Typofotograf sich baldigst einstellen muss."
, László Moholy-Nagy, Malerei, Fotografie, Film, 1927
Farben der Fotografie
Mittwoch, 19. 10. 2011
Der Offsetdruck und die Farbfotografie gibt es beide seit etwa hundert Jahren. In dieser Zeit hat sich vieles Verändert - nicht zuletzt durch die umfassende Digitalisierung beider Bereiche. In all den Jahren ist jedoch eines konstant geblieben: Die Farbdarstellung mit den Grundfarben Rot, Grün und Blau, beziehungsweise den Gegenfarben Cyan, Magenta und Gelb. Von den frühen Autotypien über die Farbfilme der dreissiger Jahre bis zu den Farbfiltern der digitalen Sensoren, oder von farbigen Silbergelatineabzügen über Cibachrome und Inkjet-Verfahren bis zum Offsetdruck.
Immer waren es mehr oder weniger die gleichen Grundfarben, welche die fotografische Wirklichkeit konstituierten. Geringe Unterschiede in der Farbigkeit der verwendeten Farbstoffe führten zu einem jeweils charakteristischem Kolorit - eine wesentliches Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen angebotenen Farbfilmmaterialien. Kodak-Material war z.B. meist gelbbetonter und damit wärmer als vergleichbare Filme von Fujicolor. Die Farbigkeit ganzer Werkgruppen von wichtigen Farbfotografen wie Stephen Shore oder William Egglestone ist geprägt durch das verwendete Aufnahme- und Reproduktionsmaterial.
Erst mit der Digitalisierung von Aufnahme und Druckverfahren ist das Kolorit unabhängig geworden von den Laboren von Kodak, Fuji und Co. Es ist nun die digitale Bearbeitungskette der Fotografen, welche über die Farbigkeit von fotografischen Bildern bestimmt. Mit den Inkjetdruckern stehen heute auch Ausgabegeräte zur Verfügung, welche Farben mit ungeahnter Präzision zu Papier bringen können.
Gröber Grösser Bunter
Mittwoch, 21. 9. 2011
Die ersten Studien hängen im Architekturfoyer der ETH Hönggerberg. Erstaunlich vieles hat funktioniert. Die mathematischen Modelle stimmen, die Druckqualität ist annehmbar. Es ist erstaunlich, wie die Drucke trotz der Verwendung von recht groben Druckrastern noch immer sehr fotografisch wirken. Es gibt noch so vieles, was ausgelotet werden kann, werden muss.
Offsetdruck
Donnerstag, 8. 9. 2011
Der Offsetdruck ist ein Flachdruckverfahren. Druckfarbe wird mit einem Gummituch von der Druckplatte auf das Papier übertragen. Die Druckplatte wird so behandelt, dass sich beim Drucken bestimmte Stellen mit Druckfarbe einfärben lassen und der Rest der Platte keine Farbe annimmt. Das Verfahren erzeugt auf dem Papier einen gleichmässig dünnen und transparenten Farbfilm. Für jede Druckfarbe wird eine Platte hergestellt und dünne Schicht Farbe auf das Papier gedruckt.
Die Farbwirkung entsteht nun dadurch, dass das vom Papier reflektierte Licht auf dem Hin- und Rückweg durch diese Farbschicht geht und ein Teil des Lichts absorbiert wird. Die Farbfilme sind so dünn, dass sich mehrere Schichten übereinanderdrucken lassen. Das Licht geht immer durch alle Farbschichten und wird vom Papier reflektiert. Das Papier spielt immer eine wesentliche Rolle in der Farbigkeit des fertigen Druckes.
Weil das Auge Licht mit drei unterschiedlichen Rezeptoren wahrnimmt, kann man sich alle Farben als Teil eines dreidimensionalen Farbraumes vorstellen. Jeder Punkt dieses Farbraumes lässt sich somit mit drei Koordinaten beschreiben. Das kann sein durch Werte wie Helligkeit, Farbton und Sättigung, aber auch durch die Intensitäten von drei Grundfarben, wie bei einem Monitor mit roten, grünen und blauen Farbkomponenten. Im Prinzip ist es egal, wie Farben beschrieben werden - solange dabei ein dreidimensionaler Farbraum aufgespannt wird. Dieses Prinzip wurde in der Malerei schon immer selbstverständlich genutzt. Farben wurden aus wenigen Grundfarben gemischt und die Wahl (oder Verfügbarkeit) dieser Grundfarben bestimmte das Kolorit des Bildes. Werden mehr als drei Farben verwendet, so entsteht zwar ein insgesamt grösserer Farbraum, aber es entstehen in den überlappenden Teilen der Teilfarbräume Zweideutigkeiten, welche im Druckverfahren nur schwer handhabbar sind.
Schreiben mit Licht
Montag, 29. 8. 2011
Fotografieren ist "Schreiben mit Licht". Doch längst ist zwischen Aufnahme und Resultat auf Papier eine lange Kette von Produkten und Prozessen tätig, welche aus den aufgezeichneten Lichtinformationen so etwas wie Wirklichkeit rekonstruiert. Im letzten Jahrhundert bestand diese Kette noch aus chemischen, optischen und digitalen Zwischenschritten, teure Apparaturen und manchmal auch aufwändiger Handarbeit.
In den letzten Jahren wurde der Prozess wieder radikal vereinfacht. Beinahe wie auf den ersten Daguerrotypien von 1839 oder den Polaroids entstehen die fotografischen Bilder - so scheint es zumindest - im Moment der Aufnahme. Das chemische Labor hat ausgedient, Dias, Negative und Scanner sind wohl schon für manchen Leser Relikte aus einer vergangenen Zeit.
Doch die wahre Magie des Prozesse steckt im Verborgenen. Kein fotografischer Prozess vor dem digitalen erlaubte den direkten Zugriff auf die Bilddaten. Nicht mit Lightroom, Photoshop, oder ähnlichen Produkten, welche uns eine scheinbar umfassende Kontrolle über das Bildmaterial erlauben. Es geht um den Zugriff auf die Bits und Bytes, welche das digitale Kameramodul verlassen. Und es geht danach um den ganzen digitale Weg dieser Pixel, bis am Ende Druckfarbe auf Papier wieder ein Bild formt.
Mit der Digitalisierung von Fotografie und Druckvorstufe wurden in den letzten dreissig Jahren alle teuren und aufwändigen fotomechanischen Prozesse durch Softwarefunktionen ersetzt. Doch noch immer bestimmen Kamera-, Drucker- und Software-Hersteller, was mit Ihren Geräten erlaubt sein soll. Sie bestimmen darüber, wie das Bild aufgenommen wird, wie es verarbeitet wird und schliesslich, welche Farbe in welcher Form auf das Papier kommt. Als Fotografen nehmen wir das als Selbstverständlichkeit hin, vergleichen Epson mit Canon und degradieren kreative Entscheide zu Kaufentscheiden.
Wir Fotografen sollten offene Systeme fordern, um an allen Stellen der Produktionskette mit eigener Software die Gestaltungsfreiheiten zurückzugewinnen. Als Fotografen können und müssen wir überall eingreifen, wo es um unser Bild geht. Bei der Aufnahme, bei der Farbe, beim Papier, und bei all den Prozessen dazwischen sowieso. Nicht nur Kameras sind heute einfacher zu beherschen - moderne Programmiersprachen sind es auch!
Mit dem Offsetdruck haben wir so ein offenes Druckverfahren, mit dem Smartphone eine frei programmierbare Kamera mit integriertem Computer. Wir haben heute alle gestalterischen Freiheiten und alle Technologien, von denen unsere Vorfahren nur geträumt haben.
Synthese von Druckgrafik und Fotografie
Einführung, 2011
Es ist ein langer Weg von der Idee zum fertigen Bild. Erst recht, wenn man sich dazu eine alte Offset-Druckmaschine besorgen und das Druckhandwerk lernen muss. Fachliteratur will gelesen sein, mathematische Modelle müssen verstanden und angepasst werden - wenn dann noch die Programmiersprachen gelernt und die Programm programmiert sind, dann geht es erst richtig los. Dann endlich können Fotografien zu Druckgrafiken werden; die Synthese von Druckgrafik und Fotografie.
Auf dieser Seite werden in loser Folge Notizen zur Arbeit gesammelt, mit Lücken, Fehlern und Falschaussagen. Ich hoffe, das ist nicht all zu schlimm - es ist schliesslich alles Neuland.